ZUG DER AHNEN ZUM URSPRUNG

Am Samstag,
den 3. Oktober 2020
um 13 Uhr wird das
Reuschberger Theaterensemble Irrwisch sich auf dem
Marktplatz vorm Rathaus in Schöllkrippen treffen.

Von hier startet der Zug der Ahnen zum Ursprung.
Die zweistündige Wanderung erfolgt durch Schöllkrippen Richtung Osten über Wiesen und Feldwege zum Quellhorizont des Reuschbergs.
Mit Chinagongs, japanischer Basstrommel (Taiko) und tibetischem Alphorn (Radzong) spaziert eine kostümierte Gauklerschar zweieinhalb Kilometer zum Waldrand. Musikalisch untermalte Theatereinlagen, szenische Performances und Animationsaktionen sind die Würze des die Landschaft durchstreifenden Mitmach-Theaters.

Jeder ist eingeladen,

die als Ahnen auftretenden Gaukler zu begleiten, gerne auch in Kostümierung freier Wahl; als Anregung dient das Ahnenmotiv. Die gemeinsame Reise zum Ursprung ist versinnbildlicht im Aufsuchen einer natürlichen, nicht gefassten Quelle.


In einer Zeit, wo Vorsichtsmaßnahmen und Ängstlichkeit das soziale Leben und die Einzelseele bedrücken, ist die Rückbesinnung auf das dem Boden entspringende Wasser heilsam. Der Notwendigkeit körperlichen Abstandes setzen wir seelische Nähe und Verbundenheit entgegen.
Gemeinschaftlichkeit ist eine Quelle friedvollen Miteinanders.
Lachen ist Leben spendend.
Ohne Freude verkümmert der Mensch. Es gilt, die humores – also die ›Lebenssäfte‹ – in Wallung zu bringen. Was aus dem Tritt geraten ist, kommt wieder in Fluss. Irrwisch lädt befreundete Theater und Künstlerkollegen, die hilfreichen Geister der Reuschberg-Shows sowie alle, die mitziehen ein, einen Anker zu werfen in der Zeit – ein Zeichen zu setzen für die Freude am Leben und an der Natur. Indem wir gemeinsam den Lebensborn an unseren nackten Füßen spüren, vergewissern wir uns der Verwurzelung in den Existenzgrundlagen. Wir erweisen Luft, Wasser und fruchtbarem Boden unseren Respekt und unsere Dankbarkeit. Die innere Freude, für die uns diese Aktion mit einiger Sicherheit öffnen wird,
kennzeichnet ein Erlebnis, an das wir uns gerne zurückerinnern werden. Mit jeweils einem unbeschuhten Fuß wenden die Akteure die globale Trinkwasserknappheit humorvoll in einen physisch-sinnlichen Eiertanz zwischen Ressourcenzugang (Schuh = Statussymbol) und Abhängigkeit (barfuß = unterprivilegiert). Irrwisch unternimmt das Experiment, die Unannehmlichkeit einseitiger Beschuhung clownesk in einen Lustgewinn zu wenden: Wir spüren unmittelbar die Erde, die uns trägt. Wir gehen davon aus: Je mehr mitmachen, desto abgefahrener wird’s, und einmalig ist es auf jeden Fall!


Gaukler verführen zum Andersdenken durch Animationen, die das Lachen wecken, verkrustete Strukturen erschüttern und den Boden der Vernunft wieder durchlässig machen für den Fluss der Freude Wir spielen für die Verflüssigung eingefahrener Muster auf dass fruchtbare Gedanken die furchtbaren zurückdrängen und so ein mentales Überleben auch über längere Dürreperioden hinweg sichern.
Wir kehren einer ungewissen Zukunft den Rücken, um zu den Wurzeln des Seins voranzuschreiten – ach was: entgegenzutanzen! – in dem Bewußtsein, dass Theater und darstellende Kunst keineswegs Ergebnisse zivilisatorischer Entwicklungen sind, sondern die Menschwerdung seit ihren Anfängen begleiten. Kurz gesagt: Eine Zeit ohne Theater: das hat es seit Menschengedenken nicht gegeben. Kunst und Kultur sind keine Errungenschaften, sondern selbstverständliche Weggefährten und Grundsubstanzen menschlichen Daseins – nicht anders als Wasser, Luft und Erde. So kommt es, dass wir die Performance als Zug der Ahnen auffassen um am Ursprung allen künstlerischen Schaffens einzukehren: Mitten in der Natur.


Wir weisen darauf hin, dass dieses theatrale Wagnis nur gelingen kann bei Beherzigung der Abstandsregeln und wenn jeder den Mund-Nasen-Schutz für den Bedarfsfall bei sich trägt. Die Bereitschaft hierzu kann man nicht proben; man bringt sie einfach mit. Mehr braucht es nicht für den Neustart in ein intensiviertes Lebensgefühl, denn darum geht es: Miteinander leben und fühlen. Nicht anders als die Shows am Theater Reuschberg ist der Zug der Ahnen gewidmet, mit Irrwisch kleine Wellen des Glücks in die Welt zu tragen.
Viel Spaß!


Das Projekt ist gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien.

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